G E M E I N S A M E R   U N T E R R I C H T   (GU)

 

Je schwerer die Behinderung ist, um so notwendiger

braucht ein Kind die vielfältigen Anregungen der nichtbehinderten Kinder:

deren Bewegungen es mit den Augen verfolgen kann,

deren Geräusche es mit den Ohren wahrnimmt,

deren Gerüche es mit der Nase unterscheiden kann,

deren Hände es am eigenen Körper spürt.

 

Prof. Jutta Schöler

 

 

Die Grundschule soll regulär eine Schule für alle Kinder sein. Die Änderung der AO-GS im Jahr 1997 wurde nach Beendigung des Schulversuchs "Integration" vorgenommen. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Regelschule besuchen können.

Schwerpunktmäßig lag dieser Änderung auch ein Paradigmenwechsel in der Sonderpädagogik zugrunde. Es sollte von der herkömmlichen separierenden Förderung zu einer integrierenden Förderung kommen.

 

Zur Geschichte des Gemeinsamen Unterrichts an unserer Schule

An der St. Martinusschule wird seit 1989 Gemeinsamer Unterricht mit Kindern ohne und mit Förderbedarf praktiziert. Dem Gemeinsamen Unterricht an der Grundschule war eine integrative Betreuung von Kindern im Kindergarten und eine Initiative von Eltern, die eine integrative Beschulung ihrer Kinder wünschten, vorausgegangen. So kam es, dass die St. Martinusschule an dem damaligen Schulversuch teilnahm. In Nottuln ist unsere Schule seither Schwerpunktschule für den Gemeinsamen Unterricht. Dadurch soll eine wohnortnahe Beschulung ermöglicht werden.

 

Pädagogisches Konzept des Gemeinsamen Unterrichts (= GU)

GU hat nicht nur für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, sondern in hohem Maße auch für die  übrigen Grundschulkinder einen großen Erfahrungswert. Vorteile des Gemeinsamen Unterrichts liegen in der Integration der behinderten Kinder, die Anreize und Förderung beim Lernen durch nichtbehinderte Kinder erfahren (Modelllernen). Kontakte, die in der Schule entstehen, können außerhalb der Unterrichtszeit leichter fortgesetzt werden.

Bei allen Kindern, die im GU lernen, wird die soziale Kompetenz gesteigert. Um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen bzw. Hilfe zu gewähren, sind selbstverständliche Verhaltensweisen. Dabei ist darauf zu achten, dass bei den behinderten Kindern keine Minderwertigkeitsgefühle entstehen.

In der Regel werden die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf Antrag der Eltern in die erste Klasse aufgenommen und dort vier Jahre gefördert. Das Antragsverfahren verläuft so, wie es die gesetzlichen Grundlagen vorsehen. (Ein Antragsverfahren ist auch im Laufe der Grundschulzeit möglich.)

In dieser Zeit wird die Klasse sowohl von einer Grundschulkraft und einem Sonderpädagogen betreut. Die Stundenanzahl des Sonderpädagogen richtet sich nach der Anzahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf.

In der Regel findet der GU als zieldifferenter Unterricht statt. Es liegen dem Unterricht möglicherweise Lernziele verschiedener Sonderschulformen zugrunde. Für die Kinder mit Förderbedarf werden individuelle Förderpläne erstellt, die die jeweiligen Lerninhalte und -ziele enthalten. Das bedeutet für den Unterricht, dass an einem gemeinsam bearbeiteten Thema unterschiedliche Lernziele erreicht werden.

Um dies sinnvoll erreichen zu können, müssen stark differenzierende Maßnahmen in der Unterrichtsorganisation getroffen werden. Folgende offene Unterrichtsformen, die auch Bestandteil des Regelunterrichts sind, eignen sich besonders, um eine innere Differenzierung vorzunehmen (s. Punkt „Wie gelernt werden kann“):

  • Projektorientierte Unterrichtsformen/Projektarbeit
  • Wochenplanarbeit
  • Stationsarbeit/ Werkstattarbeit
  • Freie Arbeit
  • lebenspraktischer Unterricht

Im GU werden aber auch Maßnahmen der äußeren Differenzierung getroffen, d. h., dass die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf - falls erforderlich - separat unterrichtet werden. Während im 1. Schuljahr eine fast durchgängig gemeinsame Unterrichtung erfolgen kann, nimmt die äußere Differenzierung in den Fächern Sprache und Mathematik im Laufe der Grundschulzeit schwerpunktmäßig zu, da das Leistungsvermögen zunehmend stärker voneinander abweichen kann.

In vielen Fächern (Sachunterricht, Religion, Musik, Kunst, Sport) und bei Projektarbeit bleibt es durchweg beim Klassenunterricht mit den aufgeführten Unterrichtsformen. Die Auswahl der geeigneten Arbeits- und Unterrichtsformen obliegt dem Pädagogenteam, (Klassen-/Sonderschullehrer/in), das die Klasse betreut.

Zur Unterrichtsorganisation gehört auch ein ausgeprägtes Helfersystem durch Klassenkameraden/-kameradinnen.

In den Klassen mit GU erfolgt eine besonders intensive Zusammenarbeit mit den Eltern. Kontakt zum "Arbeitskreis Integration" wird durch die Lehrerinnen und Lehrer punktuell wahrgenommen. Durch intensiven Austausch der im GU tätigen Kollegen werden fachliche Kompetenzen ausgetauscht und jahrgangsübergreifende Differenzierungsmaßnahmen ermöglicht (z.B. lebenspraktische Übungen und Schwimmen).